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Diwali 2009 schon vorbei
@ 2009-10-23 – 11:05:29
Diwali 2009 war frueh wie alle indischen Feiertage in diesem Jahr, die vom Mond abhaengen.
Mehr zu den einzelnen Feiertagen und Traditionen habe ich ja schon letztes Jahr geschrieben (Oktober 2008), in so fern gibt es dieses Jahr nur ein kleines Update und ein paar Bilder.Wir haben Diwali dieses Jahr mit einem Gast und ein paar Freunden gefeiert. Wie jedes Jahr war ich tagsueber mit meinen Rangolis beschaeftigt, die auch wieder sehr schoen geworden sind, obwohl ich mich auf einige kleinere beschraengt habe. Letztes Jahr wurde mir abends die Zeit einfach zu knapp und irgendwo will man sich ja auch noch duschen und was sich was Frisches anziehen.
Meine Rangolis 2009:
Gulaal, das Farbpulver zum Erstellen von Rangolis. Dieses Jahr hab ich ganz tolles bekommen, das war relativ grob und liess sich viel leichter verteilen als das ganz feine Farbpulver welches man vor allem fuer Holi verwendet.

Die Rangolis vor meiner Haustuer
Und die auf dem Sims wo sonst meine Blumentoepfe stehen.
Ein einfaches Araas-Rangoli, hab ich dieses Jahr auch mal probiert.Am Tag vor Diwali (chota Diwali) war ich noch mal in der Stadt zum Einkaufen in den traditionellen Bazaars um noch ein paar Kerzen, Diyas, usw. einzukaufen. Lebensmuede, ich weiss, aber es war dann doch ganz nett und ich habe dieses Jahr sehr schoene Diyas gekauft.
Bapu Bazaar, festlich geschmueckt.Von Oel habe ich mich dieses Jahr ganz verabschiedes, zum viel Sauerei. Dafuer habe ich gute Teelichter gefunden, mit denen ich die Diyas bestueckt habe. Das war eine wirkliche Verbesserung zu den letzten Jahren wo ich entweder staendig mit Oel pantschen musste um meine Diyas am leben zu erhalten, oder billige indische Teelichter hatte die nach 10 min ersoffen sind und mir meine Diyas mit Wachs zugekleckert haben.
Gegen 7 Uhr kam dann zuerst mein deutscher Gast, die Inder liessen sich wie ueblich und geplant, Zeit. Ein Teil kam schliesslich gegen 8 Uhr, der Rest so gegen 9 Uhr.
Zuerst sassen wir gemuetlich auf meiner Dachterasse und genossen den Anblick des festlich erleuchteten City Palace und das Feuerwerk um uns herum. Dann zog es die Maennder nach unten zum Knallen waehrend wir Frauen es vorzogen in sicherer Hoehe dem schlimmsten Krach und Qualm zu entgehen.
Und so zog sich der Abend hin. Irgendwann fiel auch Jai vollkommen erschoepft ins Bett nachdem er bestimmt fuenf Schachteln Wunderkerzen abgebrannt und beim Feuerwerk kraeftig mitgeholfen hatte. Robin war mir eh den ganzen Abend nicht von den Hacken gewichen. Er war zwar nicht hysterisch von der Knallerei, aber er fand es wohl am sichersten ganz dicht beim Frauchen zu bleiben. Hin und wieder spaehte er interessiert nach unten zum Hof wo natuerlich viel Leben war, da alle Familien mit Kindern und Freunden draussen waren und sich am Feuerwerk beteiligten.
Was ich besonders schoen fand, es war der erste Abend an dem mir kalt wurde und ich schliesslich eine leichte Wolljacke aus dem Schrank holte. Wie jedes Jahr markiert Diwali den Beginn des Winters in Nord-Indien.Da ich keine Lust hatte an Diwali zu kochen, hatte mir mein Goettergatte versprochen, Essen zu bestellen und mir so die Arbeit zu ersparen. Das fand ich eigentlich an diesem Abend das Beste. So gegen 23 Uhr kam schliesslich N. unser Fahrer mit dem Essen und wir konnten uns schnell an den bereits am spaeten Nachmittag gedeckten Tisch setzen und essen.
Gegen Mitternacht erfolgte dann wie in Indien nach dem Essen ueblich, der allgemeine Aufbruch und auch das Feuerwerk begann abzuklingen. Es knallte und zischte immer noch um uns herum, aber als ich schliesslich so eine Stunde spaeter in mein warmes Bett sank, stoerte mich das ueberhaupt nicht mehr. -
Vor-Diwali-che Riksha-Fahrt durch die Altstadt Udaipurs
@ 2009-10-15 – 15:14:27
Was fuer ein Titel, aber ich hatte vor-vorgestern ein Erlebnis der besonderen, der indischen Art so wie es sie manchesmal gibt. Es sind so die Tage an denen ich ganz relaxed bin und mich ohne europaeische Ungeduld auf Indien einlassen kann. Da springen mir dann scheinbar ganz unscheinbare Kleinigkeiten ins Auge. Ein Kind in Schuluniform und muehevoll hochgebundenen Haaren was mich mit seinen grossen braunen Augen anschaut, ein paar Markfrauen die in bunte Saris gewickelt sind und ihre Gemuesekoerbe auf dem Kopf balancieren, ein scheinbar uralter Mann im weissen Dhoti mit Turban und Steichholzbeinchen der am Strassenrand hockt und ein Bhidi raucht. Sie alle formen einen kleinen Teil des grossen Kaleidoskops Indien. Es erinnert mich oft an die Riesenbilderbuecher die ich als Kind hatte. Sie bildeten Szenen im Park, im Hafen oder in der Stadt nach. Auf einer Seite unendlich viele Geschichten. Ich habe sie damals geliebt!
Genauso erscheint mir oft Indien. Ein Eindruck, unendlich viele Geschichten. Ein guter Freund von uns hat dieses Gefuehl vor kurzem in einem Buch "Udaipur as it is" festgehalten.
Vor-vorgestern war ich mal wieder per Riksha unterwegs. Ich wollte zu Hathi Pol, dem Elefantentor im Norden Udaipurs, um ein paar Dinge einzukaufen. Mein Riksha-Fahrer nahm eine Abkuerzung quer durch die engen Gassen der Altstadt auf mir bislang unbekannten Pfaden. Vermutlich seine persoenliche Abkuerzung.
Geklappt hat das Ganze nicht so gut, denn diese Gassen sind kaum breit genug dass sich zwei Rikshas aneinander vorbeiquetschen koennen. Und in den Tagen um Diwali herum herrscht hier Hochbetrieb, da man sich traditionell an Diwali neue Sachen kauft.
Und deshalb kamen wir kaum 200 Meter weit bevor uns ein weisser Maruti den Weg versperrte. Der Fahrer, ein aelterer Inder diskutierte mit viel Handbewegung mit einem Riksha-Fahrer dem er direkt gegenueberstand. Sie kamen nicht aneinander vorbei. Daraufhin mischte sich ein Verkehrspolizist ein der gerade mit seinem Mofa angefahren kam und natuerlich so ein geschaetztes Dutzend Umstehender. Sie alle diskutierten leidenschaftlich eher des Diskutierens wegen als um eine praktische Loesung fuer das Problem Strassenbreite < Riksha + Maruti zu finden.
Mal wieder ein herrliches Beispiel fuer das soziale Gefuehl Indiens.
Nach 10 Minuten war der Konflikt endlich geloest und unterstuetzt von der halben Strasse kurbelte der Marutifahrer sich an der Riksha vorbei. Geht doch!
Bald war mein Fahrer aber wieder gezwungen den Fuss vom Gaspedal zu nehmen. Eine Schweinefamilie lief laut grunzend ueber die Gasse vor uns und ein paar Kuehe versperrten friedlich ein paar Chappattis mampfend, den Weg und liessen sich auch durch eine plaerrende Hupe ganz und gar nicht vertreiben. Ein hilfreicher Passant half uns aus der Patsche in dem er seine Hand mit einem klatschenden Geraeusch auf das Hinterteil der ersten Kuh fallen lies. Diese bequemte sich dann auch einen Schritt in einen Hauseingang zu machen und wir kamen vorbei.
Gekonnt manoevrierte sich mein Riksha-Fahrer um Grueppchen auf der Strasse-stehende Frauen in bunten Saris herum. Teilweise sind die Laeden hier so klein, dass gerade mal der Verkaeufer auf einer Matraze innen knien kann. Die Kaeufer sammeln sich auf dem Strassenabschntt vor dem Geschaeft. Wie fast ueberall in der Altstadt sind die verschiedenen Handwerker und Verkaeufer zusammen angesiedelt. Es gibt die Strasse der Silberschmiede, der Goldschmiede, der Stoffverkaeufer oder der Schuhe. Wir fuhren gerade durch die Strasse der Diwali-Schmuck-und-anderen-Tand-Verkaeufer. Hier konnte man glitzerne Abziehbilder von Hindu-Goettern oder kitschige Tuergirlanden kaufen, grosse Renner vor Diwali. Entsprechend viel war hier auch los.
An der naechsten Rikha kamen wir mit 5 mm Abstand vorbei. Erstaunlich finde ich nur welches Auge manche Fahrer dafuer haben wo sie gerade noch so durchkommen. Ich tue mich ja schon beim Einparken in Parkluecken schwer.
Auf der anderen Seite kann eine Riksha einen kleinen Zusammenstoss ganz gut vertragen waehrend der Lack europaeischer Autos gleich so haessliche Kratzer bekommt.Fast jedes Haus hat hier einen kleinen Laden im Parterre. Diese sind normalerweise zur Strasse hin offen so dass potentielle Kunden direkt mit der Ware gelockt werden koennen. Fuer Diwali werden vor allem alle glitzernde Dinge ausgelegt. Im Sariladen haengen dann vorne gleich die mit kunstvollen Brockatstickereinen verzierten Festtagssaris. Nebenan ein Geschaeft fuer Ordnis, den rajasthanischen Halbsaris die ueber Rock und Bluse getragen werden. Sie sind meistens transparent, stehen Saris in kunstvoller Verzierung aber oft nicht nach. In Udaipur findet man vor allem Rajasthanische Tie&Dye Muster wie Laddoos, Blumen oder Sterne. Die ganz besonders teuren sind aber durchaus auch bestickt oder mit Goldfaeden durchwirkt. Wer es einfacher haben will, ersteht im Nachbargeschaeft eine Gold/Silber-borte die ein Schneider an einen einfachen Ordni anbringen kann um diesen etwas zu verschoenern.
Vor Diwali sind vor allem die Juwelliere stark frequentiert. Schmuck ist ein beliebtes Geschenk und eine wichtige Geldanlage in Indien und so stroemen vor und zu Dhanteras dem ersten Tag des Diwali-Festes, tausende Frauen in die Juwellier-Geschaefte ihrer Wahl. Die gut-betuchten zum Goldschmied, die Mittelklasse zum Silber-Schmied und die weniger vermoegenden zu den Geschaeften die Schmuck aus Bronze oder geringerwertigem Metall anbieten.
Um den Clocktower im Zentrum der Altstadt Udaipurs gelegen, gibt es viel Auswahl. Die groessten Geschaefte teilweise schon mit Glastueren, klimatisiert und mit Wachmann davor. Die kleineren Geschaefte immer noch traditionell mit Auslege zum Knien.
Hier herrscht noch Schuhverbot und der Schmuck wird auf uralten Bronzewaagen gewogen damit der Juwellier den Preis berechnen kann.
Weiter rattert meine Riksha ueber den Gemuesemarkt auf einem kleinen Patio irgendwo in der Altstadt. Hier sitzen die Marktfrauen am Boden ueber ihre Koerbe voll Gemuese gebeugt. Ein einfacher Regenschirm spendet ein wenig Schatten. Rot leuchten die Tomaten, gruen und gelb die Kuerbisse. Lila sind die Auberginen und weiss der Blumenkohl. Direkt auf Gemuesehoehe rattern die Rikshas vorbei und lassen die Marktfrauen in einer Wolke schwarzen Rauchs zurueck.
Ploetzlich verlangsamte mein Fahrer wieder die Fahrt, die Ursache war mal wieder tierisch, eine herde Eselchen schwer beladen mit Schutt die vermutlich von einer Abbruchstelle kamen. Sie draengten so dicht an meiner Riksha vorbei, dass ich ihr weiches Fell streicheln konnte.
Es dauerte bestimmt so 20 Minuten fuer die kurze Strecke mein Haus-Hathi Pol. Nicht wirklich lukrativ fuer meinen Riksha-Fahrer, aber durchaus kurzweilig fuer mich. -
Die Zeit verinnt... Die Zeit verinnt...
@ 2009-10-12 – 09:17:44
Und ploetzlich ist es Mitte Oktober und wir sind schon wieder im kompletten Stress um unsere diesjaehrige Pushkar-Safari zu organisieren.
Wo der September geblieben ist, ist mir ein echtes Raetsel, letzte Woche schien noch August.
Auch meinen Blog habe ich straeflich vernachlaessigt ueber einen Berg von Arbeit der aus vor allem aus Emails, Safari-Planung und Jungpferdearbeit bestand.
Unser "Fohlen" Kirti soll Reitpferd werden und das heisst ueben, ueben, ueben.
Wir machen ja schon den ganzen Sommer Bodenarbeit und ich hatte sie oft als Handpferd dabei. Jetzt haben wir auch unsere ersten Ritte auch schon in der "grossen weiten Welt" hinter uns und ich bin echt stolz auch meine "Kleine", die sich echt tapfer geschlagen hat. Aber was kann so ein keckes Pferdchen auch schon gross schrecken, wenn man schon zu Hause die Herde fest im Griff hat und bereits als kleines Fohlen immer Futter bei den "Tanten" geklaut hat?
Auch sonst war hier einiges los. Wir hatten unsere ersten Safaris, zwischendurch muss man fast sagen, da wir eigentlich gar nicht gefeiert oder so haben, war Navratri und die 9-taegige Garba mit seinen abendlichen Ringeltaenzen, Kharwa Chauth ist auch schon rum.
Auf unserer Farm haben wir wieder einen Schwung Kuecken und sie sind auch schon bald wieder einen Monat alt, aber immer noch zu suess, wie sie jeden Abend unter das Federkleid der Mama schluepfen und dort brav zusammen einschlafen.
Ich brauche wohl nicht zu erwaehnen, dass sie der Hit bei meiner Reitschuelerin und ihrer Schwester sind, wenn sie zu uns kommen.Auch in Udaipur hat sich einiges getan. PCI, das alte Guthaus meines ehemaligen Arbeitgebers ist gerade dabei abgerissen zu werden um einem Wohnpark und einer Shopping Mall zu weichen. Ich finde das total traurig, denn obwohl der Kontakt mit dem alten Mann nicht mehr der beste ist (er hat viel getan um uns Steine in den Weg zu legen), so war das Haus und die Stallungen doch immer ein Teil meines Indiens, so heruntergekommen es am Ende auch war.
Und so greift der Fortschritt in der Form von ausufender Urbanisierung immer weiter um sich und ich stehe daneben und denke wehmuetig an mein erstes Jahr hier in Udaipur zurueck. Es war ein anderes Jahrhundert ohne Malls, Botiquen und Supermaerkten. Doch immer mehr Menschen moechten immer mehr Annehmlichkeiten und Luxus.
Diese Entwicklung wird sich wohl nie mehr zurueckdrehen lassen.
Auch die Monsun-Bilanz 2009 ist SCHLECHT, zumindest in Rajasthan. Nachdem viele Teile Indiens im September noch guten Regen bekommen haben, hat gerade Zentral-Rajasthan, also Marwar, Duerre. In einigen Distrikten kam kaum ein Tropfen runter. Udaipur ist einer der wenigen Distrikte die laut Regierung angeblich normale Regenmengen bekommen hat. Zwar war der Monsun extem verschoben, es hat frueh im Juni geregnet, im Juli und August kam nix und dann wieder eine Portion im September. In Udaipur Stadt koennen wir das aber nicht wirklich bestaetigen. Die Seen sind nicht wirklich auch nu ausreichend gefuellt worden. Das mag vielleicht auch am gestiegenen Wasserverbrauch liegen, aber meiner persoenlichen Beobachtung nach gab es keinen ausreichenden Regen. Wir haben einen kleinen See auf unserer Farm der sich im Juni auch ansehnlich gefuellt hatte. Normalerweise haellt sich ein kleiner Teich bis Dezember. Dieses Jahr war er bereits am 1.Oktober trocken. So viel zum Thema normal.
Auf der anderen Seite sind viele Stauseen ausserhalb wirklich gut gefuellt, andere hingegen gar nicht. Badwei, ein Biotop fuer Wasservoegel der jedes Jahr hunderte von Storchen, Flamingos und Kraniche anzieht ist angeblich nur eine Pfuetze (laut meinem Goettergatte, der freilich hin und wieder zu Uebertreibungen neigt) und auch der Lotus See, beliebtes Ziel vieler unserer Reitausfluege hat eher wenig Wasser.
Naja, kritisch wirds erst ab Maerz. Wir werden sehen...
Aber ohne diese kleinen Traurigkeiten koennten wir wohl auch die kleinen Freuden des Lebens nicht geniessen. Wir koennen uns nicht beklagen. Trotz schlechter Touristen-Zahlen in diesem Jahr, brummt unser Geschaeft. Wir haben Anfragen ohne Ende und auch genug Buchungen um gut uebers Jahr zu kommen. Es zeigt sich, dass die Leute Qualitaet durchaus noch zu schaetzen wissen.
Und auch unseren Tieren geht es gut was man ihnen ansieht. Robin ist unheimlich in die Hoehe geschossen und quitschfiedel. Pius unser "Strassenkoeter" ist wieder vollkommen genesen, nachdem er sich im Fruehjahr bei einer Pruegelei mit einem anderen Hund eine ueble Fleischwunde zugezogen hatte.So weit zum Update. Jetzt werde ich mich mal wieder der Arbeit widmen muessen. Mein Buegelkorb hat bedenkliche Hoehen angenommen und es reihen sich bereits wieder einige Emails zum Beantworten in meinem Postfach.
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Little Khajuraho of Rajasthan
@ 2009-09-10 – 11:45:48
Das Hinterland von Udaipur hat viel zu bieten. Ich habe hier ja schon Kumbhalgarh, Chittorgarh sowie den Sasa-Bahu Tempel in Nagda vorgestellt.
Heute moechte ich ueber den Ambika Mata Tempel in Jagat schreiben.
Jagat ist ein kleines Dorf in der Naehe vom Jaisamand See, ca. 58 km oestlich von Udaipur gelegen. Man kann einen Besuch dort sehr schoen mit einer Bootsfahrt in Jaismand und einem Besuch der dortigen Schloesser, verbinden.Der Ambika Mata Tempel stammt aus der Pratihara-Zeit und wurde 961 n.Chr. erbaut. Er ist einer der wenigen erhaltenen Tempel aus dieser Zeit und zeichnet sich durch die typische Hindu-Architektur sowie der Steinmetzkunst seiner Erbauer aus.
Diese Pratihara Tempel-Architektur ist eng angelehnt an die Architektur der Gupta-Zeit und dauerte in Nord-Indien vom 8ten bis zum 11ten Jahrhundert nach Chr. an. Viele Tempel aus dieser Zeit wurden von den islamischen Invasoren zerstoert von daher ist der Tempel in Jagat einer der wenigen die heute noch stehen.
Der Ambika Mata Tempel zeigt die fuer diesen Architektur-Stil typischen Merkmale. Einen hohen Sockel, eine geschwungene, leicht krumme Shikhara (Tempelturm) und eine von Saeulen getragene Mandapa.
Die Bluete der Pratihara Architektur sind uebrigens die Tempel von Khajuraho die ebenfalls im 10ten bis 11ten Jahrhundert entstanden.Kurz zur Tempel Architektur:
Seit dem Altertum wurden vermutlich in grosser Zahl Tempel aus Holz gebaut. Leider ueberdauerten sehr wenige dieser Holz-Tempel die Zeit; die meisten wurden irgendwann durch Feuer, Blitz, Invasion oder einfach dem Zahn der Zeit zerstoert.
Erst ab dem 5ten Jahrhundert, in der Gupta-Periode begann man in Indien Tempel aus Stein zu errichten die natuerlich weit aus dauerhafter waren als die aus Holz.DIe ersten Tempel waren einfache Stukturen aus Stein die um das Heiligtum herumgebaut waren. Spaeter wurden diese Strukturen immer spektakulaeer und es gab eine Tendenz zur Vertikalisierung die wir in Form von Sockeln und Tempeltuermen sehr schoen sehen koennen.
Jeder hinduistische Tempel ist einer bestimmten Gottheit geweiht, deren Abbild in einer kleinen quadratischen Kammer (Gharbhagriha) aufbewahrt wird. Quadratisch deshalb, weil das Quadrat in der hinduistischen Kosmologie den Himmel symbolisiert.Der Tempel in Jagat ist der Muttergoettin Ambika geweiht, aber auch Durga hat hier einen Schrein. Ausserdem lassen sich Skulpturen von Ganesha, dem elefanten-koepfigen Hindu-Gott finden.
Erotische Skulpturen von Apsaras sind in die Aussenwaende geschnitzt und geben dem Tempel Aehnlichkeit mit den Tempeln von Khajuraho. Diese Aehnlichkeit hat Jagat auch den Spitznamen "Little Khajuraho" oder "Khajuraho von Rajasthan" eingebracht.

Hier kann man ganz gut den Tempel-Komplex sehen. Vorne links ist eine Art Gebetshalle oder Vor-Tempel. In der Bildmitte ist der eigentliche Ambika Mata Tempel mit roter Tempel-Fahne auf dem Dach.
Sehr schoen zu sehen die Vorhalle oder Mandapa und dann die Pagode oder Shikhara, der Turm direkt ueber dem Allerheiligsten des Tempels.
Ein Bild von der Aussenwand des Tempels. Sehr schoen zu sehen die Apsaras oder goettlichen Nymphen. Diese goettlichen Wesen waren die Hofdamen Indras und waren von atemberaubender Schoenheit. In spaeteren Schriften werden sie als die Gespielinnen und Ehefrauen der Ghandarvas oder Hofmusiker, beschrieben deren Hauptaufgabe es war die Goetter und Goettinnen zu unterhalten.Hier ist das Kapitell einer der Saeulen zu sehen.

Und hier nochmal der Haupttempel mit Mandapa. Sehr schoen zu sehen, der hohe Sockel.
Die Rueckseite mit reichlich verziertem Fenster. Sehr schoen zu sehen, die Apsaras sowie eine Reihe von Fabeltieren.
Und hier nochmal eine Dachskulptur, ein wunderschoen stalteter Elefant.Der Tempel in Jagat ist durchaus sehenswert, weil er einer der wenigen erhaltenen Tempel aus dieser Zeit ist. Auch sehr angenehm, es gibt kaum Besucher, da die meisten den weiten Weg scheuen. Und man sollte wirklich einen kompletten Tag einplanen wenn man raus nach Jagat fahren moechte, denn Jagat liegt nicht an einer Hauptstrasse sondern in einem kleinen Dorf mitten in der Pampa. Es lohnt sich, weil man gleich ein bisschen das laendliche Indien kennenlernen kann wenn man sich die Zeit nimmt ueber die Doerfer zu fahren und einfach nur zu schauen, wie das Leben hier an einem vorbei fliesst.
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Servants Teil 3
@ 2009-09-05 – 09:06:54
Und nachmal eine Fortsetzung zum allseits beliebten Thema. Ich habe ja schon 2x in aller Ausfuehrlichkeit ueber das Heer von DIenstboten auf dem indischen Subkontinent geschrieben. Dieses Mal moechte ich nur ein paar Beobachtungen mit Euch teilen. Was bedeuten Dienstboten fuer indische Frauen (und Maenner)?
Ich gehe seit ich Robin bei mit habe mehr oder weniger regelmaessig zu Gulab Bagh denn wir leben ja in der Stadt wo ich keine Felder und Wiesen (oder Steppen, je nach Jahreszeit) habe um mit ihm Spazieren zu gehen.
Gulab Bagh ist der groesste Park in Udaipur, eine herrliche Mischung aus Spielplatz, Toy Train, Zoo, Liegewiese und kontrollierte Wildnis. Ideal um mit Hund und Kind einen Nachmittag oder auch nur ein paar Stunden zu verbringen.
In letzter Zeit gehe ich oeffter mit zwei Bhabhisas aus dem Haveli. Die Eine, R. hat auch einen Labrador. die Andere, J. nimmt ihren Sohn mit.
Was ich immer lustig finde, Beide nehmen zusaetzlich ihre Servants, also je einen Servant-Boy der dann fuer Hund und Kind zustaendig ist. Die beiden Frauen marschieren also vorneweg und koennen sich in Ruhe unterhalten und die beiden Servants trotten hinterher, und sehen zu dass Hund und Kind keinen Unsinn machen. Herrlich!
Anderes Beispiel:
Zum Todestag ihres Vaters, kam die COusine von meinem Goettergatte aus Bikaner ins Haveli. Sie ist hier fuer ein paar Tage mit ihren zwei Kindern. Das Maedchen ist 7 Jahre, der Sohn ist 3 Jahre alt. Fuer den Kleinen haben sie einen Servant eingestellt der den lieben langen Tag auf das Kind aufpasst und es beschaeftigt. Ich sehe den Kleinen oft hier herum wackeln, der Boy immer hinterher.
Auch eine Art von Kindermaedchen!
Das die indischen Frauen der Mittel- und Oberklasse, alle moeglichen Arbeiten an ihre Servants abdelegieren ist mir ja bekannt. Ich werde immer mitleidig angeguckt wenn ich erzaehle, dass ich mein Haus selber saubermache. Aber ich hab einfach keine Lust mehr auf eine Maid die ich von vorne bis hinten beaufsichtigen muss. Dann kann ich es auch gleich selbermachen, der Zeitaufwand ist der Gleiche.
Fuer uns Europaer ist die Privatsphere auch ein ganz wichtiger Faktor. Wir wollen niemanden im Haus haben der uns beim Fruehstuecken zusieht oder meine Schraenke sauber macht.
Ich gehe auch am liebsten alleine spazieren oder allerhoechstens mit einer Freundin zu schwatzen. Ein mir hinterher-laufender Servant wuerde mir auf die Nerven gehen. Das ist auch der Grund, warum ich eher selten mit den Bhabhisas mitlaufe. Es stoert mich einfach, ich moechte nicht, dass meine Gespraeche von anderen gehoert werden, ich mag es nicht staendig einen Schatten an meinen Fersen zu haben. Klar kann es praktisch sein, wenn jemand ein Auge auf meinen Sohn hat, oder ein Eis bringt, wenn man selbst gemuetlich auf der Wiese sitzt. Aber grundsaetzlich schaeme ich mich fuer solche Dinge jemand anders laufen zu lassen. Wirklich unindisch, ich weiss.
Aber so ist es. Und generell mag ich gerade in meiner Freizeit keinen Boy um mich herum haben der mich wiederum zwingt gewisse Dinge zu beachten oder zu tun. Denn man moechte ja nicht, dass intime Details meines Lebens unter der Dienstbotenschaft im Haveli weitererzaehlt werden und somit auch die Ohren anderer Familienmitglieder erreichen.
Das ist der Grund warum ich bisher immer abgelehnt habe, wenn meine Schwiegermutter mir ihren Boy aufschwatzen will, wenn wir zu Gulab Bagh gehen. Ich mag meine Ruhe haben und meinen Gedanken nachhaengen und nicht staendig jemanden um die Fuesse haben. Und ich will mir mein Eis selberkaufen!
Fazit: Ich beginne allmaehlich zu begreifen warum die Mehrzahl aller Inderinnen fett ist. Alle Arbeiten und Gaenge werden abdelegiert. Da nutzt dann auch eine Runde Spazierengehen in Gulab Bagh nichts mehr.
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Streit der Staedte
@ 2009-09-02 – 17:02:28
In Rajasthan kocht momentan ein Jahrzehnte-alter Streit zwischen den Staedten Udaipur und Jodhpur wieder hoch. Es geht um die ehrenwerte Gerichtsbarkeit.
Als Rajasthan 1948 gegruendet wurde (noch nicht ganz in seiner heutigen Form), wurde ein Oberlandesgericht in Udaipur eingerichtet mit einer Nebenstelle in Kota.
Als Rajasthan 1949 erweitert wurde (weitere ehemalige Koenigreiche waren der Union beigetreten), wurdes dieses Gericht nach Jodhpur verlegt im Zuge einer Verteilung der verschiedenen Dienste. Udaipur und Jaipur erhielten Nebenstellen um vor Ort wichtige Rechtsstreitigkeiten klaeren zu koennen.1950 und 1956 wurden diese Nebenstellen aufgeloest, wobei Jaipur 1977 wieder eine eigene Oberlandesgerichtsbarkeit erhielt waehrend Udaipur leer ausging.
Seit 1950 schwehlt also ein Konflikt um die Faehigkeit Recht zu sprechen. Lange war Udaipur eine vor sich hin lebende Kleinstadt die nicht wirklich ein Oberlandesgericht benoetigte. Es gab ein Amtgericht (district COurt)vor dem kleinere Faelle verhandelt werden, alles andere laeuft ueber Jodhpur.
Spaetestens seit Udaipur sich in alle Richtungen ausdehnt, wird auch der Ruf nach einem Landesgerichtshof wieder lauter.
Geografisch gesehen ist Udaipur die drittgroesste Division in Rajasthan sowohl was Flaeche als auch was Bevoelkerung angeht. Sie umfasst die Distrikte Udaipur, Chittorgarh, Rajsamand, Banswara und Durgapur. Nach dem 2001 Zensus leben hier 53,56 der Tribal Population. Diese Menschen sind oft arm und ungebildet und finden es sehr schwierig fuer ein Gerichtsverfahren nach Jodhpur zu reisen.
Vor allem von Durgapur und Banswara die keine Zuganbindung haben, kann die Reise schnell 24 Stunden dauern.
Auch verglichen mit der Situation in anderen Staaten in denen kleinere Staedte Landesgerichte haben, waere eine Nebenstelle in Udaipur durchaus gerechtfertigt.Nun ist die Frage, warum Udaipur und keine andere Stadt wie z.B. Kota?
Udaipur liegt in der Division durchaus zentral und waere auch fuer die Menschen in der Kota Division noch gut erreichbar, auch dank der hervorragenden neuen Strasse die Udaipur mit Kota verbindet. Gleichzeitig koennen aber auch die Menschen aus Dungarpur und Banswara, ganz im Sueden Rajasthans Udaipur gut erreichen.Auch die Statistik gibt den Udaipurianern recht. 60% aller Faelle die in Jodhpur vor Gericht anstehen sind aus der Udaipur Division.
Seit vielen Jahren schon begehen die Rechtsanwaelte einen stillen Protestfeiertag an jedem 7ten Monatstag. Doch die Regierung Rajasthan hat sich bisher taub gezeigt. Das einstige Versprechen immer eine Nebenstelle des Oberlandesgericht in Udaipur zu behalten, welches 1949 gegeben wurde, ist vergessen.
Letzten Monat haben die Anwaelte schliesslich einen offenen Streik (Bandh) erklaert. Ganz Udaipur blieb einen Tag lang geschlossen. Die Geschaeftsleute stehen hinter ihren Anwaelten, auch weil vor allem sie von einem Landesgericht in ihrer Stadt profitieren wuerden. Alle Verfahren in Jodhpur kosten sie Geld und Zeit. Viel einfacher waere es ihre Faelle vor Ort zu verhandeln.
Den Anwaelten in Jodhpur gefaellt diese neue Aufmerksamkeit dem alten Thema hingegen ueberhaupt nicht. Sie wissen, dass sie einen Grossteil ihrer Faelle verlieren wuerden und dass ihr Oberlandesgericht an Wichtigkeit verlieren wuerde.
Also riefen auch sie zum Streik auf und Jodhpur schloss fuer einen Tag seine Geschaefte und Bueros.Wie wird es also weitergehen?
Der Buergermeister von Udaipur hat an viele wichtige Menschen in der Politik geschrieben, unter anderem an Sonia Gandhi, Praesidentin der Congress Partei. Gebracht hat es bisher wenig, aber immerhin gab es in Rajasthan letztes Jahr einen Machtwechsel. Nach 5 Jahren BJP regiert nun wieder der Congress. Vielleicht war der Brief also gut-angelegtes Geld.
Wir werden sehen. Immerhin ist die Angelegenheit gross in der Presse momentan.Meiner Meinung nach wuerde eine Nebenstelle des Oberlandesgericht in Udaipur helfen viele Faelel schneller zu loesen und auch mehr Menschen die Moeglichkeit geben ihre Recht vor Gericht einzuklagen, vor allem den unter-previligierten STs aus den umliegenden Doerfern die es sich oft nicht leisten koennen ihre Faelle in Jodhpur einzureichen.
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Update: Robin
@ 2009-08-25 – 10:45:06
Lange habe ich nichts mehr ueber meinen kleinen Labrador-Teufel geschrieben. Er macht sich gut und ist jetzt ein halbes Jahr alt.
Zwischendrin hatten wir eine schwierige Phase in der er seinen Appetit komplett verloren hat und lustlos sowie staendig muede war. Bis jetzt weiss ich nicht, ob das einfach Wachstum war oder vielleicht eine stille Erkrankung. Egal, es ist ueberwunden und er ist wieder so frech und munter wie immer.
Die letzten 2 Monate ist er ziemlich in die Hoehe geschossen, allerdings nach wie vor ein schmales Hemd. Vor allem die Hinterbeine koennten kraeftiger sein. Auf Anraten des Tierarztes fuetter ich also Vitamine und Calcium und hoffe dass er sich ordentlich auswaechst.In zwischen hoert er ganz gut, wobei wir uns momentan ein der Halb-Starken Phase befinden was heisst, dass er seine Grenzen gnadenlos testet. Deshalb habe ich ihn bisher noch nicht mit auf Ausritte genommen. Dazu muss er noch ein bisschen besser hoeren.

Ausserdem sind ihm die Pferd noch immer etwas unheimlich. Kuehe verbellt er mit Leidenschaft, was er eigentlich auch nicht soll, denn so gross ist der Unterschied nicht. Wobei wir beim naechsten Problemthema waeren, die Klaefferei!Rufus hat selten gebellt, nur wenn wirklich jemand kam. Robin bellt staendig, egal ob Mensch, Tier oder Insekt. Und das auch nachts. Das ist natuerlich nervig, vor allem weil ich davon wach werde (der Rest der Familie eher nicht
).
Also stehe ich dann auf und beruhige ihn wieder. Manchmal hat er gebellt weil eine Nachbarkatze uns einen Besuch abgestattet hat, manchmal war es nur ein Geraeusch irgendwo in der Naehe.
Naja, kann man wohl nichts machen. Vielleicht waechst es sich aus wenn er ein bisschen "erfahrener" wird.Und so gehen wir viel spazieren (momentan noch immer an der Leine, nur auf der Farm und im Garten darf er sausen wie er mag), ueben die Kommandos und spielen miteinander.
Seine Spielsachen hat er alle kaputt bekommen oder sie wurden verloren, also sind wir jetzt auf Stock umgesteigen. Die darf er mit Leidenschaft zerkauen, das ist mir lieber als wenn meine Moebel dran glauben muessen.
Diverse Schuhe und aehnliches haben schon dran glauben muessen. Ausserdem nagt Robin mit Ausdauer an den Beinen von der Couch meiner Schwiegermutter. Das Holz muss besonders schmackhaft sein, bei mir laesst er die Moebel naemlich mittlerweile in Ruhe. Also muss ich immer sehen, dass er bei mir oben liegt. Vor allem Morgens ist er aber gerne unten, dort ist einfach mehr Leben als bei mir hier oben weil Jai ja in der Schule ist.Uebrigens, Robin ist ein echter indischer Hund. Trockenfutter findet er so lala, richtig scharf ist er auf Chapattis!!!!!


Hier kann man gut Robins neues Halsband sehen. Ich gebe zu, ich bin in ein Halsband-Freak, es ist sein drittes Halsband in 5 Monaten!
Zu meiner Verteidigung darf ich anmerken dass das erste ein indisches Welpenhalsband war und das zweite ein Billigteil aus einem deutschen Discounter welches mir aber von der Farbe so gefallen hat. Nach 6 Wochen war der Verschluss im Eimer.
Jetzt habe ich eins von der Edelmarke Sabro (es war erschwinglich, dank Ebay) mit kleinen Elchen drauf.
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Indische Seele
@ 2009-08-16 – 20:27:07
Es gibt Tage da koennte ich immer nur den Kopf schuetteln. Indien und seine Kultur sind mir mittlerweile so vertraut und manchmal doch wieder so fremd. Irgendwo ist Indien immer wieder ein Widerspruch in sich. Irgendjemand hat mal gesagt, dass alles was man ueber Indien sagt richtig ist und doch auch falsch. Und hin und wieder komme ich mit dem richtig und falsch durcheinander. Eigentlich muesste man meinen nach all den Jahren und einem Studium der indischen Soziologie (plus 3 Jahre indische Geschichte) kann mich nichts mehr vom Hocker hauen.
Doch hin und wieder passier genau das. Nicht dass ich diese Dinge nicht wuesste, aber irgendwie erwischen Sie mich unerwartet.Vorgestern war mal wieder so eine Gelegenheit. Eine der Bhuas von ueber die Strasse kam zu mir und bat mich kurz meinen Computer benutzen zu dueften. Kein Problem, sie ist eine von den Aelteren die weder Ahnung von der Nutzung des www haben noch einen eigenen PC zu Hause. Sie wollte eine Email mit Fotos oeffnen. Natuerlich bat sie mich um Hilfe und so spielte ich das Kindermaedchen und oeffnete das Postfach und die Emails.
Nur verbarg sich dahinter folgene Stroy. Bhua hat 2 Toechter die beide in Mumbai arbeiten und leben. Sehr moderne Maedchen, die eine ist Anwaeltin und arbeitet als Rechtberaterin in Bollywood, die andere hat einen MBA und arbeitet als Beraterin fuer Filmstars. Beide leben zusammen, weit weg vom kleinen Udaipur und ihren Eltern.
Nun ist die aeltere in ihren spaeten 20ern und damit reif fuer die Hochzeit. Die Emails die Bhua unbedingt sehen wollten enthiehlten die Fotos der Ehemann-Kandidaten sowie deren Lebenslauf und Geburtshoroskop.Natuerlich kam auch sofort meinen Schwiegermutter hoch und gemeinsam diskutierten die Beiden alle Vorzuege und Nachteile der 3 Kandidaten, Familie, Ausbildung, Gehaltsscheck und Aussehen. Grosszuegig wurde auch ich um meine Meinung gefragt und musste mir schnell einen Favoriten unter Mr. Worst-Dress, Mr. Hoppla-hier-komm-ich und Mr. Scheussliche-Krawatte aussuchen.

Und dann erst die Lebenslaeufe, gott ich haette kotzen mich verstecken koennen. Ich bekam alle 4, die von den Kandidaten und die von der Tochter, zu Gesicht. Und hab sie natuerlich mit einem Grinsen im Gesicht einem ernsthaften Gesichtsausdruck gelesen. Frueher habe ich ja noch mit Leidenschaft die Matrimonials in der Sonntagszeitung gelsen. Als XY sucht AB zwecks Heirat. Oder besser gesagt die Eltern von XY suchen eine bildschoene, hellhaeutige, haeusliche Ehefrau fuer ihren Prinzen, bzw. die Eltern von AB suchen einen erfolgreichen Ehemann fuer ihre Prinzessin. Irgenwann habe ich die Matrimonials aufgegeben, war eh immer das Gleiche!
Die Verkuppelung von Personen die ich kenne ist da ungleich interessanter.
Natuerlich kenne ich alle Tricks von meiner Schwiegermutter die seit 2 Jahren vergeblich versucht meinen Schwager unter die Haube zu bekommen, aber bei einem Kerl ist das nicht halb so interessant, weil er wirklich nein sagen kann.
Bei K. Bhuas Tochter bin ich mir da nicht so sicher. Sie hat die Auswahl, aber ich glaube nicht dass sie ihrem Schicksal entgehen kann. Es ist also nur eine Frage der Zeit bis wir eine Hochzeit zu feiern haben.
Ich mag K. ziemlich gerne, hab ihre Nummer in meinem Handy und wir machen immer mal wieder was zusammen wenn sie hier ist. Ich wuerde nicht soweit gehen zu sagen, dass ich sie gut kenne, aber ich kann sie einschaetzen. Ich bin also total gespannt was sie sagt, wenn sie das naechste Mal hier ist (im Oktober). Beim letzten Mal war Hochzeit noch ein no-go fuer sie.
Ich brenne jedenfalls auf ein Frauen Gespaech unter 4 Augen.
Was mich an der Geschichte so fassungslos gemacht hat? Gute Frage, schliesslich weiss ich ja dass fast alle Hochzeiten hier arrangiert werden und zwar von den Eltern. Aber wenn es dann Leute trifft die man gut kennt dann ist es doch erschreckend zu sehen. Was wenn der Zukuenftige aggressiv ist? Was ist wenn er an jedem Finger eine Liebschaft hat? Was ist... Tausende Fragen und keine Antworten, schliesslich kennen wir den Mann in Frage nicht wirklich. Seine Familie wuerde nie etwas auf ihren Prinzen kommen lassen.
Immerhin "darf" K. ihn vorher treffen. Hoffen wir dass die eine gute Menschenkenntnis hat.Ich kenne viele arrangiere Ehen die funktionieren. Aber ich kenne wenig arrangierte Ehen die beiden Partnern ein wirklich erfuelltes Liebesleben bieten, eine Seelenverwandschaft so zu sagen. Und ich kenne viele unglueckliche arrangierte Ehen.
Irgendwie tun mir da die Partner leid und ich tendiere irgendwo dazu eine Liebesheirat vorzuziehen. Das geht auch oft ins Auge, aber wenigsten hatten Mann und Frau ein paar Jahre geteiltes Glueck. -
Happy Janmashtami!
@ 2009-08-16 – 13:21:09
Janmashtami ist der Geburtstag des populaeren hinduistischen Gotts Krishna. Ihm zu Ehren werden heute die Tempel beleuchtet, die Menschen verzichten auf Fleisch und Eier und tragen neue schoene Kleider.
Janmashtami faellt immer auf den 8ten Tag des Hindu-Monats Bhaadra wenn der Stern Aldebaran aufsteigt.
Janmashtami ist, obwohl "nur" ein kleinerer Feiertag, ein beliebter Festtag in ganz Indien was natuerlich auch mit der Popularitaet Krishnas zusammenhaengt.Krishna ist der kleine freche blaue Gott im hinduistischen Panteon. Er wird meistens mit einer Floete dargestellt, oft zusammen mit den Gopis, den Milchmaedchen, mit denen er Schabernack treibt.
Krishna ist der achte Avatar (oder Reinkarnation) Vishnus. Die alten Schriften beschreiben seine Koerperfarbe "wie eine frische Gewitterwolke). Das Sanskrit Word krsna bedeutet auch schwarz oder dunkel.Krishnas Leben wird in einigen der Purana erwaehnt und erzaehlt, ausserdem tritt er im indischen Epos Mahabharata in Erscheinung.
Krishna wurde in die koeniglichen Familie von Mathura geboren und zwar als Sohn der Prinzessin Devaki und ihrem Mann.Der Koenig von Mathura Kamsa, Devakis Bruder hatten durch die Gefangenahme des Vaters, den Thron bestiegen (nicht gerade ein netter Mensch also ). Ein Heiliger prophezeite ihm, dass er durch die Haende des 8.Sohns von Devaki sterben wuerden (damals hatten die Leute so viele Kinder ). Koenig Kamsa glaubte an diese Geschichte und liess Devaki und ihren Mann ins Gefaengnis werfen. Die ersten 6 Kinder der Beiden liess er toeten, das 7. starb in einer Fehlgeburt. Im Anschluss trennte man Devaki von ihrem Mann, so dass sie kein weiteres Kind bekommen sollte.
Dennoch wurde Devaki wieder schwanger und zwar durch eine "mental transmission" also eine Arte mentale Befruchtung wie uns die Bhagavata Purana erzaehlt. Eine sehr interessante Parallele zum Christentum und der unbefleckten Empfaengnis wie ich finde!
Krishna wurde geboren und von seinem Vater heimlich aus dem Gefaengnis geschmuggelt und bei Pflegeeltern untergebracht.
Diese waren die Fuehrer einer Gemeinschaft von Kuh Hirten. Hier wuchs Krishna als kleiner Lausbub auf. Es gibt viele Geschichten von seiner Kindheit in der er viel anstellte. Er klaute heimlich Butter und machte allerlei anderen Unsinn.Aber er wuchs auch zum Beschuetzer der Gemeinschaft heran. Er toete den Daemonen Putana und zaehmte die Schlange Kaliya die das Wasser des Yamunas vergiftet hatte.
Koenig Kamsa der ahnte wer Krishna wirklich war versuchte ihn mehrmals zu toeten, schaffte es aber nicht.
In seinen jungen Jahren werden vor allem seine Spiele mit den Gopis erwaehnt. Sie verlieben sich in den Charmeur Krishna und auch er macht in dem Ringelreigen nur zu gerne mit, spielt seine Streiche und vergisst darueber seine Pflichten.
Seien Gefaehrtin unter den Gopis ist Radha, die anfaenglich imemr wieder schmollt, wenn er auch anderen Gopis zugetan ist. Spaeter werden sie jedoch geliebte. Die Liebe zwischen Krishna und Radha gilt den Hindus als Symbol fuer die Liebe Gottes zu den Menschen genauso wie die sehnsuechtige Liebe zu Gott (Bhakti). Und in der Krishna-Radha Beziehung finden sich viele sehr erotische Elemente! Fast schon zu erotisch fuer das verklemmte Indien des 21ten Jahrhunderts! Aber die Geschichte kommt aus dem Veda-Zeitalter als man in dieser Beziehung noch offener war.
Eine beliebte Geschichte von Krishna's Streichen mit den Gopis ist die, dass Krishna den Gopis die im FLuss badeten die Kleider wegnahm und sie versteckte. Um ihre Kleider wiederzubekommen, mussten die Gopis eine nach der anderen nackt vor ihm erscheinen und ihn um ihre Kleider bitten.
Als Krishna als junger Mann zurueck nach Mathura ging, toetete er seinen Onkel wie der Heilige einst vorhergesagt hatte. Er strebte nicht selbst nach der Krone sondern stellte die Regentschaft von Kamsas Vater den dieser ja ins Gefaengnis geworfen hatte, wieder her und wurde Prinz am Koenigshof.
Hier freundete er sich mit Arjun und den anderen Pandava Prinzen aus dem Kuru Koenigreich an (die Geschichte wird in der Mahabharata erzaehlt) denen er schliesslich hilfreich beiseite stand.
Spaeter verliess er Mathura und gruendete sein eigenes Koenigreich im heutigen Gujerat.
Hier heiratete er die Prinzessin Rukmini und spaeter 16,108 andere Frauen. Die Geschichte dahinter ist, dass diese Jungfrauen von einem boesen Daemon entfuehrt worden waren. Krishna toetete diesen Daemon und brachte die Frauen zurueck. In der Gesellschaft mit ihren strengen sozialen Regeln, galten diese jedoch nun als Beschmutzt und konnten nicht mehr heiraten. Krishna setzte sich darueber hinweg und gab ihnen so ihren Rang und Status zurueck.
Es gibt noch viele andere Geschichten ueber Krishna wie z.B. seine Rolle im Kurukshetra Krieg (Mahabharata). Angeblich verfasste Krishna auch die Bhagavad Gita. Aufgrund seiner Guete und seiner menschlichen Qualitaeten wird Krishna heute in ganz Indien verehrt.
Man nimmt ihm sogar seine Freiheiten mit den Gopis nicht krumm. Meistens wird Krishna tanzend mit einer Floete zwischen ganz vielen Gopis dargestellt. Er gilt als kompletteste Manifestation Vishnus und so wird er hauptsaechlich von den Vishnuiten, den Hindus die Vishnu anbeten, verehrt. Trotzdem ist Krishna ein eigenstaendiger Gott der auch in der Bhakkti-Bewegung verehrt wird.Die Gestalt Krishnas ist mytisch wobei Experten und Historiker einig sind, dass es eine historische Vorlage gegenhaben muss. Vermutlich hat der historische Krishna im Vedischen Zeitalter gelebt.
So diesen Text habe ich schon vor 2 Tagen geschrieben, hab es aber nicht geschafft ihn zu posten. Ich wuensche also nochmal Happy Janmashtami und Happy Independence Day (der war gestern).
Und wir geniessen ein langes Wochenende dank der 2 Feiertage!









