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  • Anti-Korruptions Bewegung Indien Teil 1

    Seit einigen Tagen geht es in Indien wieder hoch her. Die zweite Runde im Kampf um die Lokpal, ein Anti-Korruptionsgesetz, hat begonnen.

    Der Hauptkaempfer hinter einem starken Lokpal-Gesetz ist Anna Hazare, ein 74-Jaehriger Gandhianer aus Maharashtra. Bereits Anfang 2011 hat er eine Sathyagraha-Bewegung (Gewaltloser Widerstand, ein Konzept welches im Unabhaengigkeitskampf von Gandhi entwickelt wurde) ins Leben gerufen um fuer ein starkes Anti-Korruptionsgesetz zu protestieren.

    Bevor ich mehr zum sehr umstrittenen Thema Lokpal schreiben werde, moechte ich die Person die zum Kopf der Bewegung wurde, Anna Hazare, kurz vorstellen.

    Ganz ehrlich, der Name Anna Hazare, sagte mir bis zum Fruehjahr 2011 ueberhaupt gar nichts. Dann tauchte der Name oeffter auf und zur Zeit prankt er auf jeder Tageszeitung. Wer ist dieser Mann habe ich mich gefragt?

    Anna Hazare wurde 1937 unter dem Namen Kisan Baburao Hazare in einem kleinen Dorf in Zentral-Maharashtra geboren. Er war das Kind armer Eltern und nur durch die Hilfe einer Tante die ihn mit nach Mumbai nahm, bekam er die Gelegenheit 7 Jahre in die Schule zu gehen. Im Anschluss begann er als Blumenverkaeufer in Mumbai zu arbeiten um seine Familie zu unterstuezen.

    1962 ging er zur indischen Armee und wurde 1965 im Indisch-pakistanischen Krieg verletzt. Als einziger in seinem Konvoi ueberlebte er einen pakistanischen Luftangriff. Dieses Ereignis bewegte ihn dazu mehr ueber den Sinn des Lebens nachzudenken. Er las die Weke von Swami Vivekanada und Gandhi und entschied sich schliesslich sein Leben anderen Menschen zu widmen.
    1978 verliess er die Armee, nachdem er mit 5 Tapferkeitsmedallien ausgezeichnet worden war.

    Nach seiner ehrenvollen Entlassung ging Anna Hazare zurueck nach Ralegan Siddi, seinem Heimatdorf in Maharashtra um das Leben dort zu verbessern.
    Ralegan Siddi ist ein typisches Dorf im trockenen Hinterland Maharashtras. Aufgrund der Duerre und des schlechten Bodens waren die Menschen dort arm und es gab wenig Hoffnung auf ein besseres Leben.

    Um die Situation der Menschen in seinem Dorf zu verbessern, begann Anna Hazare die Dorfjugend zu organisieren. Er gruendete die Organisation Tarun Mandal (Jugendorganisation) und zusammen mit den jungen Menschen begann er Wege aus dem Elend zu suchen.

    Als erstes und groesstes Uebel des Dorfes identifizierte er den Alkohol. Er rief eine Versammlung der Doerfler in den Tempel und sie entschieden gemeinsam Alkohol aus dem Dorf zu verbannen. Da diese Resolution im Tempel geschlossen wurde, sahen die Dorfleute sie als religioese Pflicht an. Die Distillen des Dorfes wurden geschlossen und Betrunkene oeffentlich ausgepeitscht. Letzteres rief Widerstand und nationale Empoerung hervor. Hazare konterte dass das laendliche Indien nun mal eine harte Gesellschaft war und dass auch Muetter ihren Kindern bittere Medizin gaben, wenn es denn notwenidig war. Die Kinder moegen die Medizin nicht, aber sie hilft. Er habe zu strengen Methoden gegriffen, da der Alkohol die Familien im Dorf zerstoert und fuer die Frauen und Kinder oft Hunger und Gewalt bedeutet.

    Hazare setzte sich auch fuer ein Gesetz in Maharashtra ein, welches den Verkauf von Alkohol in einem Dorf verbietet, wenn 25% der Frauen dafuer sind oder wenn der Dorfrat (Gram Sabha) dies entscheidet. Dieses Anliegen wurde 2009 Gesetz.

    Spaeter setzte sich Hazare auch erfolgreich gegen den Verkauf von Taback in unterschiedlicher Form in seinem Dorf ein.

    1980 rief er eine Kornbank ins Leben. Reiche Farmer oder solche mit einem Extra-Ertrag, gaben dem Tempel einen Teil ihres Ueberschusses ab. Von diesem Ueberschuss konnten sich arme Bauern deren Felder zu wenig Ertrag abgeworfen hatten, einen Teil leihen unter der Bedingung diesesn Teil plus Zinsen in guten Jahren wieder zurueck zu geben. Somit mussten die Bauern sich kein Geld mehr leihen.

    Anna Hazare reformierte sein Dorf Ralegan Siddi von Grund auf und bekaempfte viele soziale Probleme. Er verbesserte die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Kasten untereinander und verbesserte die Lebensbedingungen und den sozialen Stand der Dalits im Dorf.

    Gemeinsam Dinge zu entscheiden brachte eine groessere soziale Einheit der Menschen hervor. Gleichzeitig setzte er Dinge in Bewegung wie Gemeinschaftshochzeiten oder moderne Milch- und Landwirtschaft.

    Gemeinsam wurde die Schulausbildung im Dorf verbessert. Vorher konnten meist nur die Jungen zur entfernten Secondary School gehen, die Maedchen hatten nur einen lokale Grundschule. Durch den Bau einer dorfeigenen Secondary School, bekamen auch die Maedchen im Dorf die Chance auf eine weiterfuehrende Schulbildung.

    1991 begann Anna Hazare seinen Kampf gegen die Korruption indem er die Bewegung  Bhrashtachar Virodhi Jan Aandolan (Volksbewegung gegen Korruption) gruendete. Zuerst bekaempfte er die Korruption vor allem in seinem Heimatstaat Maharashtra. Durch seine Bewegung erreichte er die Versetzung und teilweise unehrenhafte Entlassung von zahlreichen kleinen Offiziellen.

    Als er sich mit hoehrern Tieren anlegte kam er 1997 zum ersten Mal ins Gefaengnis, ein Schlag gegen alle Anti-Korruptions Aktivisten im Land. Auf Grund der oeffentlichen Meinung bekannten sich alle groesseren Parteien ausser BJP und der Shiv Sena (die ja die Verhaftung politisch zu verantworten hatten) fuer ihn. Hazare wurde vorzeitig aus dem Gefaengnis entlassen.

    Sein naechster Kampf galt dem Gesetz zum Recht auf Information (Right to Information Act). zuerst in Maharashtra, spaeter auf nationaler Ebene.  "All corruption can only end if there is freedom of information"  sagte er dazu.

    In den Jahren 2000-2002 erliessen viele Staaten Indiens daraufhin ihre eigenen Gesetze und 2005 gab es endlich auch auf nationaler Ebene eine Right to Information Act der es jedem indischen Staatsbuerger (mit der Ausnahme von Buergern des Staates J&K) moeglich machte eine Behoerde um Informationen zu bieten. Die Behoerde muss innerhalb von 30 Tagen antworten. Auch muss jede Behoerde im Land fortan seine Dokumente digitalisieren damit diese problemlos von ueberall angefordert und eingesehen werden koennen. Durchaus also ein Meilenstein auf dem Weg Indien zu einem modernen Staat und ein Meilenstein im Kampf gegen die Korruption, auch wenn das Gesetz immer noch viele Ausnahmen zulaesst.

    Natuerlich stehen hinter diesem Erfolg noch viele andere Gruppierungen und Aktivisten, aber Anna Hazare hat in diesem Kampf zum ersten Mal auf nationaler Ebene agiert und durch einen Hungerstreik bis zum Tod auf sich aufmerksam gemacht.

    Wer ist also dieser Kisan Hazare den alle nur Anna nennen (eine respektvolle Anrede auf Marati)? Er redet viel von Gandhi und folgt seinen Ideen. Er selbst lebt in einfachen Verhaeltnissen, seit 1975 in Ralegan Siddi und hat nach eigenen Angaben 67000 IRS auf der Bank. Sein einziges EInkommen ist seine Armee-Pension.

    Gandhis Ideen von der Selbstbestimmung der Doerfer hat sich Anna Hazare zu eigen gemacht genauso seine Idee von einer egalitaeren Gesellschaft. Er tritt gegen soziale Uebel wie Korruption, Alkoholismus ein und sucht die Gesellschaft von unten auf zu verbessern. Gleichzeitig jedoch misstraut er jedem zentralistischem Ansatz und seine Ansichten sind zum grossen Teil pre-demokratisch. So versucht er zum Beispiel Gesetzte durch Hungerfasten zu erzwingen und setzt sich damit ueber die Unabhaengigkeit des Parlaments hinweg. Gleichzeitig gratuliert er Narendra Modi zu seiner Rolle in der Landwirtschaftlichen Entwicklung Gujerats. Dieser lobt ihn darauf hin als "ein wuerdiger Erbe Gandhis". Viele Menschenrechtsaktivisten haben Hazare daraufhin kritisiert. Narendra Modi wurde zwar nie verurteilt, gilt aber gemeinhin als einer der Wortfuehrer und Scharfmacher in den kommunalen Konflikten Gujerats um 2001-2003.

    Immerhin scheint er das was er predigt durchaus ernst zu nehmen. Er pflegt einen einfachen Lebenstil und ist keiner von denen die Wasser predigen und Wein trinken. Er schaft es weite Teile der indischen Gesellschaft in seinen Kampf gegen die Korruption mit einzubeziehen. Seine Unterstuetzer kommen aus allen Schichten, vor allem auch aus den Reihen der Studenten und Schueler. Viele Menschen sind die Korruption im Lande einfach satt. Sie schliessen sich seiner Bewegung an, auch weil es vielleicht als schick gilt. Wann immer ich Menschen nach Anna Hazare befragt habe, so waren sie eindeutig fuer seinen Kampf gegen die Korruption, allerdings konnten mir nur wenige etwas ueber seine Person sagen.

    Das ist so ein bisschen wie die Welle des Gandhismus nach dem Film Munna Bhai. Alle waren irgendwo dafuer, aber nur wenige hatten sich mit Gandhis Thesen wirklich im Tiefgang auseinandergesetzt.

    Ueber die Lokpal, das Gesetz um das zur Zeit heftig gestritten wird, berichte ich morgen.
    Und wer mag kann sich hier noch weiter ueber Anna Hazare informieren:

    www.annahazare.org


  • Fahrstunden

    Wer ein eigenes Auto hat, sollte auch einen Fuehrerschein haben, zumindest wenn er plant damit zu fahren.Ja, sogar in Indien benoetigt man einen Fuehrerschein um ein Auto oder ein anderen fahrbaren Untersatz zu fahren, auch wenn man das mit Blick auf den Strassenverkehr, kaum glauben kann.

    Und Indien ist soagr reichlich strikt, ein deutscher Fuehrerschein wird nicht anerkannt, nein, man muss eine Pruefung machen um dann hier einen indischen beantragen zu koennen.

    Also habe ich mich fuer ein paar Fahrstunden angemeldet um dann Ende des Monat meine Pruefung zu machen um dann hoffentlich bald einen indischen Fuehrerschein in den Haenden zu halten.

    Mein Uebungsauto ist ein kleiner Maruti Suzuki 800 ohne Klimaanlage und mit ziemlich verkorkster Schaltung. Die Bremse ist auch nicht mehr die beste und das Auto hat keinerlei Zusatzaustattung wie z.B. Power Steering oder ABS.
    Aber fuer den indischen Stadtverkehr ist es perfekt geeignet da es klein ist und alt und ich keinerlei Angst haben muss eine Beule zu fahren. Die wuerde eh gar nicht auffallen.

    Damit es halbwegs ertraeglich ist, fahren wir mit heruntergekurbelten Scheibe, dass heisst man kann sich dann auch gleich wie mittendrin statt nur dabei fuehlen, mittendrin in der Abgaswolke zumindest.

    Da ich ja schon Autofahren kann (in Deutschland und uberall ausserhalb Indiens), habe ich meinem Fahrlehrer gesagt, ich will hauptsaechlich Verkehrfahren ueben. Das hat er sich zu Herzen genommen und wir fahren jeden Tag zur Hauptstosszeit durch die verstopftesten Strassen Udaipur, damit ich mich an den indischen Verkehr gewoehen kann. Manchesmal komme ich mit vor wie Moses am Roten Meer, die Flut teilt sich vor meinem Kuehler und ich stroeme quasi durch den Verkehr. Meistens aber stockt es und das nicht nur vor Ampeln.
    Das Problem sind nicht nur zu viele Verkehrsteilnehmer sondern auch dass sich niemand an Regeln haelt. Es gibt welche, sagt zumindest mein Fahrlehrer, auch wenn er sich nur an ein paar wenige erinnert. Naemlich dass Linksabbieger auch bei Rot Abbiegen duerfen. Oder das man Kreisel generell linksrum faehrt. Wobei das nicht zwingend notwendig ist. Rechtsrum funktioniert zur Not auch.

    Die Hupe ist der wichtigste Ausruestungsgegenstand des Autos, da nicht nur Warnsignal sondern zugleich Kommunikationsinstrument. Ich hupe generell wenn ich ueberhohle, damit der Vorderfahrer auch weiss dass ich da bin und nicht ploetzlich nach rechts zieht. Denn die Spiegel im Auto sind reine Ziergegenstaende. Niemand schaut in die Rueckspiegel, vorne ist einfach zu viel los.

    Ich wollte mir vor meiner ersten Fahrstunden den Rueckspigel einstellen, mein Fahrlehrer schuettelte nur den Kopf. Den brauechte ich nicht, meinte er nur. Der Seitenspiegel auf meiner Seite hatte kein Glas (mittlerweile wurde das ersetzt oh Wunder!). Ich kam mir ein bisschen vor wie bei Blinde Kuh, vor allem beim Spurenwechseln und Anfahren.
    Mittlerweile fahre ich perfekt ohne Spiegel. Obwohl ich mir ab und an den Blick in den mittlerweile reparierten Seitenspiegel nicht verkneifen kann.

    Meine Erfahrungen nach 1 Woche Fahrschule auf indisch:

    - Es herrscht Linksverkehr, das heisst aber nicht das auch links gefahren wird

    - Durchschnittsgeschwindigkeit in der Stadt = 20 km/h

    - Umgefahrene Fussgaenger = Noch keine, 2x war es eng

    - Blinken nur beim Rechtsabbiegen

    - Die "Der Groessere-hat-Vorfahrt" stimmt nicht, der Frechste darf zuerst fahren, wie das an Kreuzungen ohne Ampfel offiziell geregelt ist habe ich noch nicht rausbekommen

    - 50% aller Motorradfahrer sind lebensmuede

    - Gottvertrauen ist die wichtigest Eigenschaft eines indischen Verkehrsteilnehmers

    - Abgebogen wird wie jeder lustig ist, sowohl vor- als auch hintereinander

    Man sieht also schon dass sich Autofahren in Indien doch ziemlich von anderen Laendern unterscheidet. Dazu kommt ein wirklich infernalischer Verkehr. Die Autos sind nicht wirklich das Schlimmste, das sind die Rikshas, Tempos, Zweiraeder, Handkarren und Tiere. Das alles wurstelt sich durch die gar nicht mal so engen Strassen Udaipurs und macht jedes schnelle Vorankommen unmoeglich.

    Jetzt hoffe ich nur, wenn ich mich jetzt regelmaessig in den indischen Verkehr stuerze, dass ich mir diesen Fahrstil auch fuer Deutschland angewoehne.

  • Autokauf in Indien

    Wie sollte es auch anders sein, sogar der Autokauf ist eine Sache fuer sich in Indien. 
    Nach langem Hin und Her hatten wir uns entschieden doch einen Neuwagen zu kaufen, was auch an der Tatsache lag, dass der Gebrauchtwagenmarkt seit Anfang des Jahres irgendwie leergefegt war. Zumindest was die Moedelle betraf die fuer uns in Frage kamen.
    Also hiess es Prospekte einholen, Preise erfragen und Probefahren. Schliesslich hatten wir uns auf eine Marke eingeschossen, konnten uns aber zwischen 3 Modellen nicht entscheiden.
    Die Entscheidung wurde uns dann abgenommen, da zwei Modelle erst wieder in 1-2 Monaten erhaeltlich sein sollten bzw. das neue Modelle dieser Modelle und zwar vermutlich mit einem netten Aufpreis. 
    Wir wurden also entschieden.

    Nach einer letzten Entscheidungssitzung bestellten wir das dritte Modell in der Farbe silber metallic. Lieferdatum erstmal ungewiss, so ca. 1 Woche wuerde es wohl dauern sagte man uns, das entscheidet der Pandit. Wie der Pandit? Naja, die meisten Leute wollten ihr Auto an einem gluecksverheissendem Datum abholen, nicht irgendwann. Also nicht Montag oder Dienstag, eher Mittwoch naechster Woche, wurde uns gesagt.

    Also kam dann unser neues Auto am Mittwoch der folgenden Woche, an einem Tag an dem Hindu getrost  neue Sachen kaufen oder in Empfang nehmen. Silber-metallic war leider nicht mitgekommen. Wir durften uns entscheiden zwischen weiss und weiss. Alle anderen Farben gab es erst wieder naechsten Monat. Nun muss ich dazu sagen, 99% der Autos von diesem Modell die hier bei uns in Udaipur umherfahren, sind weiss. Auch der Umstand das die Farbe den Namen" pearl metallic arctic white" trug, taeuschte mich nicht ueber die Tatsache hinweg, dass es ein ganz ordinaeres, schwer saueberzuhaltendes, Weiss, sein wuerde. Vor meinem inneren Auge sah ich mich bereits ueber einen riesigen Parkplatz irren immer auf der Suche nach meinem Auto dass leider so aussah wie alle anderen die dort geparkt waren.

    Aber wir wollten das Auto jetzt, an diesem wunderbar gluecksverheissendem Tag und nicht erst naechsten Monat. Also verzichteten wir auf das Silver Metallic und nahmen weiss. Der Unterschied waere eh nur ganz geringfuegig wie man uns eifrig versicherte.

    Der naechste Schritt war das Nummernschild. In Indien ist ja so ziemlich alles kaeuflich und somit gibt es selbstverstaendlich auch hier die Moeglichkeit eine gewuenschte Buchstaben-Zahlen Kombination zu erwerben. Wir taten dies nicht, also bekamen wir eine Kombination zugewiesen. Zur Zeit werden in Udaipur die Buchstaben CD mit Zahlen ab 20XX zugewiesen. In diesem Raum hat man eine gewisse Wahlmoeglichkeit. Da nach der indischen Nummerologie die Zahl 3 besonders gluecksverheissenden ist, besorgten wir uns also eine vierstellige Zahl deren Quersumme 3 ergibt.

    Sobald unser neues Auto abgeholt und zugelassen war, ging es als erstes zum Tempel um das Gefaehrt segnen zu lassen. Vom Autohaendler war es ja schon mit zwei Swastikas bemalt worden (bedeuten in der indischen Symbologie Glueck und Segen und nein, haben nichts mit dem aehnlichen Symbol zu tun welches in Deutschland einmal zweckentfremdet wurde), eine auf der Motorhaube und eine auf dem Lenkrad. Dazu kamen rote Baendchen an jeder Tuer und ueber die Motorhaube. Aber das reichte natuerlich nicht, um ganz sicher zu gehen ging es also zum Tempel und zwar nicht zu irgendeinem sondern zu einem Ganesha-Tempel denn Mittwoch ist der Tag von Ganeshji und nur dort konnte unser neues Auto ordnungsgemaess seinen Segen erhalten.

    Nachdem dieser generelle Segen abgeholt war ging es nach Hause. Auf dem Weg besorgten wir erstmal eine Box Suessigkeiten die wir im Haveli verteilen wuerden. Ein neues Auto musste ja gefeiert werden!

    Dann war noch der Segen der Hausgoettin dran. Jeder Rajputen-Clan hat ja seine eigene Schutzgoettin die sogenannte Kuldevi. Dieser Kuldevi brachten wir dann noch eine Kokusnuss als Opfer da und dann waren wir mit der spirituellen Seite endlich durch.

    Es folge dann noch der Kauf von Schonbezuegen fuer die Sitze und das Abmachen des Plastiks. Unter Protest vom Goettergatten, befreite ich schliesslich das ganze Auto von Plastik, sogar die Sonnenblenden und das Radio. In Indien ist es ja durchaus ueblich diese Plastikteile dran zu lassen, das Auto soll schliesslich neu aussehen.

    Waehrenddessen diskutierten mein Goettergatte und Schwager ueber die Frage ob sie einen kleinen Kratzer in den Lack ritzen sollten. Gegen den boesen Blick.

    Mein boeser Blick entschied dann die Debatte, gegen den Kratzer.

    Tja und was soll ich sonst noch sagen ausser, wir erfreuen uns tagtaeglich am Auto. Es hat schon ueber 400 km auf dem Tacho und schnurrt wie ein Kaetzchen. Man kann es nicht wirklich Tiger nennen, eher Stubentiger, aber da es eh mein Auto werden wird, macht mir das nichts aus. Fuer mich wird es reichen, problemlos.

    Jetzt muss ich nur noch an den Linksverkehr gewoehnen. Und das der Blinker dort ist wo ich aus Deutschland den Scheibenwischer gewoehnt war und umgekehrt.

  • Hochzeitsstory Teil 2

    So hier kommt der 2.Teil der grossen Familien-Soap ueber die Hochzeit meines Schwagers N. Die Verlobung war erfolgreich, der Hochzeitstermin steht, 22.11.2011. Noch 4 Monate...

    War ja klar das es im November sein musste, 6 Tage vorher kommen wir aus Pushkar zurueck (18 Tage Safari hin und zurueck) und 4 Tage vorher heiratet die Cousine H. Wann Cousine K. heiratet ist noch offen, aber der November wird bevorzugt.

    In 4 Monaten gibt es viel zu organisieren obwohl wir "nur" ein paar Pujas und einen Abendempfang fuer ca. 2000 Leute organisieren muessen. Die Hochzeit selbst wird von der Familie der Braut organisiert.

    Unsere Liste sieht erstmal wie folgt aus:

    - Garten fuer Empfang
    - Catering
    - Catering fuer grosse Puja (hab den Namen vergessen)
    - Ganesh Puja
    - Goettlichen Beistand, sprich Priester fuer oben genannte Pujas
    - Einladungskarten fuer ca. 2000 Leute
    - Transport der Familie (und ich spreche hier nicht nur ueber die engste Familie) zur Hochzeit
    - Bharat (Umzug des Braeutigams zu Pferd in Udaipur)
    - Klamotten fuer 4 Events fuer Schwiegermutter, Jai und mich (die Maenner haben Anzug und Turban, praktisch
    - Schmuck fuer alle 4 Events

    Da November der Haupthochzeitsmonat ist heisst es alles frueh buchen und organisieren. Sonst bekommt man nix mehr, weder ordentliches Caterer noch Autos oder Busse um die Familie zur Hochzeit zu karren. Selbst der Schneider hat ab September gut zu tun und es kann durchaus sein dass er sich dann ausser Stande sieht eine Bestellung von 2x4 Kurti Kanchli plus Lenga ein paar Sariblusen und Salwar Suits innerhalb 6 Wochen fertig zu stellen. Es sei denn man bezahlt einen kleinen Extrabonus.

    Naja wir haben ja noch 4 Monate Zeit!

    Fuer meinen Schwager werden es 4 lange Monate werden, er darf seine Verlobte naemlich nicht sehen, das wuerde Unglueck bringen. Heute hat sie Geburtstag und er wollte eigentlich zu ihr fahren, aber ihr Vater ist sehr streng und hat das verboten.

    Naja sie werden ja nur heiraten und ihr ganzes Leben (oder auch nicht) miteinander verbringen.

     

  • Indische Hygienevorstellung

    Ich stelle immer wieder fest das die Hygienevorstellungen in Indien stark von unseren in Deutschland abweichen und zwar in beide Richtungen.
    Die negativen Seiten im indischen Hygieneverhalten kennt jeder Tourist der sich mal nach Indien verirrt hat, sowohl in eine indische Stadt als auch in ein indisches Dorf. Muellberge tuermen sich oft direkt am Strassenrand oder auf freien Flaechen auf. Die Kanalisation liegt oft genug offen und verbreitet einen fuer europaeische Nasen abscheulichen Geruch und die Natur wird oft genug als gigantische Toilette mis- gebraucht. Ich habe oft genug Eltern aus Mittelklassefamilien gesehen die ihren Kindern erlauben vors Haus zu pinkeln weil sie zu faul waren ihren Nachwuchs ins Haus auf die Toilette zu setzen. Ganz zu schweigen von den Hausfrauen die ihren taeglichen Muell gerade zum Fenster hinauswerfen, auf Nachbargrundstueck oder eben auf die Strasse. Ab und an muss man als argloser Fussgaenger regelrecht vorsichtig sein sonst wird man vom herabfallenden Inhalt eines Muelleimers erschlagen oder es ergiesst sich ein Schwall Seifenwasser aus dem Putzeimer von der Hausfrau aus dem 3.Stock direkt wenn man unterhalb passieren will.

    Das heisst natuerlich nicht das es nicht auch in Indien so allmaehlich ein gewisses Bewusstsein fuer Muellvermeidung und Abfallverwertung gibt. Inder sind sogar Meister im Recyclen und Wiederverwerten von Muell, aber das ist ein anderes Thema das ich vielleicht mal an einer anderen Stelle behandeln werde.

    Es hat sich auch wirklich gebessert. Ein gewisser Mentalitaetswandel findet statt, auch durch eine konsequente Erziehung in der Schule. Aber in Abwesenheit einer staedtischen Muellabfuhr ist es leider imm noch gang und gebe das Muell im Zweifelsfall mal eben auf der Strasse "entsorgt" wird.

    Und da kommen wir auch schon zum Pudel's Kern. Indern haben -man mag es manchesmal kaum glauben- eine sehr strenge Hygienevorstellung in den eigenen vier Waenden und vor allem ueberall dort wo Essen zubereitet wird. Alles was ausserhalb dieser 4 Waender zugeht interessiert die Mehrzahl nicht, solange es im Haus sauber ist.

    Im Haus wiederrum geht es zum Teil sehr pingelig zu, vor allem was Nahrungsmittel angeht. Gut, das warme Klima ist der Haltbarkeit vieler Lebensmittel nicht gerade foerderlich waehrend Keime gut gedeihen.

    Heute war mal wieder grosses Drama, eine Katze war durch die offene Eingangstuer gekommen und hatte von der Milch probiert. Schwiegermutter kippte daraufhin alles weg, mehr als ein Liter. Das finde ich ist Verschwendung, ich meine so trinke ich eh keine Milch, aber fuer den Chai wird sie eh ja noch mal gekocht. Solche Sachen sehe ich dann nicht wirklich streng.

    Genauso habe wir ja immer einen Hund im Haus der mir auch auf Schritt und Tritt normalerweise folgt. Auch in die Kueche. Meine Schwiegermutter bekommt einen halben Schreikrampf wenn der Hund ihre Kueche besucht.
    Sie sieht wie die meisten Inder einen Hund als schmutzig an. Das heisst, nachdem man ihn beruehrt hat muss man Haende waschen und so weiter. Hund im Bett oder auf der Couch wie in Deutschland durchaus ueblich waere fuer sie eine absolute Horror-Vorstellung. Sie fand das schon immer schlimm wenn Jai als Baby oder Kleinkind mit dem Hund gespielt hat (Jai hat seine Liebe zu Hunden frueh entdeckt). Daa ging fuer sie gar nicht. Auch wenn der Hund Jai durchs Gesicht geschleckt hat wie das Hunde nun mal so tun. Ich habe damit kein Problem, obwohl ich einschraenke, ins Bett oder auf die Couch duerfen meine Hunde auch nicht. Alleine schon wegen der Hundehaare.

    Ich ruehre aber auch z.B. das Hundefutter mit einem normalen Loeffel an oder lasse die Hunde mal eine Schuessel ausschlecken. Das Zeugs wird ja hinterher abgewaschen. Eine indische Hausfrau waere wohl entsetzt. Hier haben die Servants ja schon ihr eigenes Geschirr und Besteck.

    Dafuer kochen viele in Indien widerrum mit Kuhdung. Viele indische Hausfrauen sammeln dazu die Kuhfladen auf, fomen Kuchen draus und lassen diese in der Sonne trocken um sie hinterher als Brennstoff zu verwenden. An bestimmten Feiertagen kochen dann durchaus auch Frauen der urbanen Mittelklasse mit Kuhdung. Und im Dorf ja sowieso.

    Ich kann nicht sagen dass ich das schlimm finde. Ich habe durchaus schon Batis gegessen die direkt in der Glut eines Dungfeuers gegrillt wurden und fand diese sehr lecker. Der Kuhdung gibt da schon sein eigenes Aroma. Aber wirklich hygienisch ist das auch nicht, auch wenn die Kuh ein Pflanzenfresser ist.

    Alleine schon die Ansammlung von Tieren in der Stadt, ein weiterer Hygieneaspekt. Ich meine, wie oft finde ich Kufladen auf der Strasse (wer ist in Indien nicht schon mal in so eine nette Hinterlassenschaft getreten!). Oder die Haufen der Strassenhunde.

    Alles nicht so schoen, und trotzdem gibt es nur sehr wenige Inder die sich darueber aufregen. Ab und zu schon mal, wenn die wilde Hundemeute zu zahlreich und aufdringlich wird oder die Kuh den Vorgarten verwuestet oder den Verkehrsfluss stoert. Aber im grossen und ganzen stoert die Fauna vor der Haustuer keinen Menschen. Und die Hinterlassenschaften auch nicht.

    Nun ich laufe auch nicht mit dem Tuetchen hinter meinen Hunden her. Aber ich gebe zu, ich lasse sie nicht direkt vor die Haustuer meines Nachbarn ihr Geschaeft verrichten. Das tun dann die Strassenhunde.

    Also, noch ein Thema wo ich mir nicht so ganz sicher bin, dass ich mit meiner Umgebung so immer auf einer Welle liege.

     

     

  • Love will Follow! Heiraten auf Indisch

    Es scheint nun endgueltig soweit zu sein, mein Schwager wird heiraten, der Traum meiner Schwiegermutter von einer ordentlichen, indischen Schwiegertochter und einer konventionellen, sprich arrangierten, Hochzeit ist in greifbare Naehe gerueckt.

    Wie bereits frueher geschrieben, suchten meine Schwiegereltern ja schon seit geraumer Zeit (eigentlich schon seit Jahren) nach einer Frau fuer ihren zweiten Sohn. Nachdem sich ihr aeltster Sohn bereits fuer eine Liebesheirat und dann auch noch mit einer Auslaenderin entschieden hatte, sollte es umbedingt die Wunsch-Schwiegertochter aus einer guten Familie derselben Kaste werden.

    Seit ich im Haveli lebe ist es ein festes Ritual. Braune Umschlaege kommen per Post oder werden von klatschsuechtigen Verwandten vorbeigebracht. Darin enthalten die komplette Berwerbung der zukuenftigen Ehefrauen, Lebenslauf, Foto (im Ganzkoerperformat und Portrait, natuerlich von einem professionellem Fotografen) und Geburtshoroskop. Das wird dann ausfuehrlich studiert und bei Gefallen werden Maedel und Familie inspiziert.

    Die meisten braunen Umschlaege wanderten zurueck oder in den Schrank ganz ins unterste Fach. Entweder ensprach die Familie nicht den Vorstellung oder ganz profan, das Maedchen nicht (zu klein, zu dick, keine Brueder, etc.). Ablehnungsgruende waren vielfaeltig, es wurde nach einer Prinzessin fuer den kleinen Prinzen gesucht.

    Auch mein Schwager war durchaus waehlerisch was allerdings mehr damit zu tun hatte, dass er noch nicht wirklich Lust auf Heiraten und Familie gruenden hatte (aus meiner Sicht durchaus verstaendlich!). Stueck um Stueck trieb das Spielchen meine Schwiegermutter jedoch in den Wahnsinn.

    Hatte sie am Anfang noch geglaubt, alle Maedels wuerden sich um ihren Prinzen reissen, musste sie bald feststellen das dem nicht so war. Jedenfalls bildete sie sich bald dies bald das ein. Eine Auslaenderin in der Familie, musste das nicht viele konservative Familien abschrecken? Und ein verwoehntes Stadtmaedchen? Wuerde die sich gut einfuegen und brav alles so machen wie meine Schwiegermutter sich das vorstellte.

    Das waren so die Aengste die meine Schwiegermutter umtrieben. Ich muss ja wirklich gestehen, sie tat mir fast schon leid, denn in Indien ist es vor allem der gesellschaftliche Druck der hinter der solchen arrangierten Hochzeiten steht. Hier geht es um das Ansehen der Familie in der entsprechenden Gesellschaft, nicht mehr und nicht weniger und es gibt nur wenige Familien die sich achselzuckend ins Verderben stuerzen oder die wirklich so hoch im allgemeinen Ansehen stehen, das es nun auch egal ist wen die Soehne und Toechter heiraten.

    Zum Glueck dass muss ich wirklich sagen, ist mein Schwager ein Mann und keine Frau. Dann waere der Druck noch groesser, denn Maenner koennen sich ein unkonformes Benehmen eher leisten als Frauen. Und ein Maedchen zu verheiraten dessen aelterer Bruder eine auslaendische Frau hat, das ist sicherlich noch ein bisschen schwieriger.

    Nun gut, die Umschlaege kamen und gingen. Hin und wieder wurde eine Bewerberin laenger diskutiert und einmal brach die ganze Familie nach Bikaner zur Brautschau auf, erfolglos allerdings.

    In so fern kam es jetzt ein wenig ueberraschend fuer mich dass es offensichtlich ernst war. Ich war noch in Deutschland als mein Goettergatte mich anrief und mir die frohe Botschaft verkuendete dass mein Schwager eines der Maedels mochte. Und sie diese Gefuehle auch erwiedern wuerde. Wow dachte ich nur, was fuer eine Basis fuer eine gemeinsame Ehe auf Lebenszeit.

    Natuerlich behielt ich diesem Gedanken fuer mich und harrte der Dinge die so denn kommen moegen. Zurueck in Udaipur bekam ich gleich den brauene Umschlag xy praesentiert und mir wurde auch gleich erzahelt das das Maedel mit einer Cousine (angeheiratet) aus Jodhpur verwandt war und diese sie uns waermstens empfohlen hatte. Ausserdem war sie in einem katholischen Maedcheninternat in Mt.Abu gewesen. Das waren natuerlich absolut schlagende Argumente denen ich nichts entgegensetzen konnte.

    Nach ein paar Tagen erfuhr ich dann auch ihren Namen und bekam mit dass sie wohl einen B.COM gemacht hatte und noch irgendwas und seitdem (2 Jahre) bei ihren Eltern im Dorf weilte und darauf wartete entlich heiraten zu duerfen. Ich muss immer wieder feststellen dass die Haelfte aller Universitaetsabsolventen ihren Abschluss machen um anschliessend zu heiraten. Irgendwo eine Verschwendung, aber ein Bachlor macht sich wirklich gut im Lebenslauf auf die Bewerbung als Ehefrau, stelle ich immer wieder fest. Ein Maedchen dass nur einen Schulabschluss hat wird sehr kritisch gesehen (schliesslich soll sie ja die Kinder aufziehen), ein Master ist dann schon wieder unnoetig, denn sie soll ja ihren zukuenftigen Mann nicht ueberfluegeln und arbeiten wird sie ja ohnehin nicht.

    Klaro, Ausnahmen bestaetigen die Regel und alle Muetter blasen heute ins selbe Horn, sollten ihre Toechter je gezwungen sein ihren Lebensunterhalt selbst erwerben zu muessen... Soll ja vorkommen, selbst in Indien.

    Jedenfalls sind meine Schwiegis und mein Goettergatte heute unterwegs auf Brautschau. Irgendwie haben sie das Maedel glaube ich schon gesehen, sie war wohl bei Verwandten in Udaipur, aber heute sind sie zu ihren Eltern gefahren und formal um ihre Hand anzuhalten, einen Koffer Geschenke dabei, Saris fuer die zukuenftigen Verwandten und natuerlich Schmuck fuer die Braut.

    Wenn das also gutgeht sind mein Schwager und seine Zukuenftige offiziell verlobt und es wird ein Hochzeitstermin festgelegt. Leider eigene sich die naechsten Monate ueberhaupt nicht zum Heiraten, erst ab November geht die Saison wieder los. Meine Schwiegermutter hat dies schon lautstark lamentiert, haetten sich die beiden ein paar Monate frueher kennengelernt, dann haetten sie noch im Mai heiraten koennen (was immer mein persoenlicher Horror war, man bedenke die Hitze und dann Klamotten und Make-Up, nein Danke!).

    Jetzt ist sie also ziemlich hektisch und will auf jeden Fall den naechsten Termin (vielleicht hat sie Angst die Braut koennte nein sagen ) und zwar gleich im November. Ich habe dann schon so ganz leicht angemahnt dass wir sprich mein Goettergatte und ich im November VIEL Arbeit haben, mit Pushkar und so, aber ich glaube das ist nicht angekommen. Ich habe es dann noch mal meinem Schwager verdeutlicht und hoffe nur das der Pandit der den Hochzeitstermin vorschlaegt auch an berufstaetige Verwandte denkt! Ich weiss ja nicht so ganz wie so ein Termin zustanden kommt, aber ich hoffe es gibt ein paar Alternativen.

    Naja, dann harren wir heute der Dinge die dann kommen werden. Ich bin schon gespannt, mein Schwager meinte schon, er gibt mir dann mal die Nummer von seiner Zukuenftigen, dass wir mal telefonieren koennen. Ich hoffe nur sie kann gut Englisch. Habe ich noch nicht wirklich nachgefragt. Obwohl mit dem katholischen Maedcheninternats-Hintergrund sollte sie halbwegs fliessend Englisch sprechen. Immerhin ist sie eine Ex-Kommilitonin meiner Freundin und die spricht besser Englisch als manch eine von Jai's Lehrerinnen.

    Meine persoenlichen Gedanken dazu? Ich wuensche meinem Schwager von Herzen dass er gluecklich wird, denn er ist ein lieber Kerl und ich habe schon frueher gesagt, dass ich seine zukuenftige Frau beneiden wuerde, wenn ich nicht schon mit seinem Bruder verheiratet waere. 
    Und natuerlich mache ich auch den ganzen Zirkus mit, schliesslich ist das wichtig fuer die Familie und fuer ihn. Auch wenn ich mir gewisse spoettische und auch kritische Gedanken nicht ganz verkneifen kann. Ich finde das zum Teil ziemlich abenteuerlich. Es scheint recht oft zu funktionieren, auch wenn ich viele Paare kenne die nicht wirklich gluecklich mit dem arrangierten Partner an ihrer Seite sind. Aber in Indien sind die Prioritaeten andere und so hoffe ich nur dass es stimmt was ich schon so oft gehoert habe: "Love will follow!"

     

     

  • Hope! Ein Labrador wir erwachsen! Teil 2

    Und weiter geht es. In den ersten 4 Wochen war die Entwicklung enorm. Aus einem Wurm wurde ein Eisbaer (zumindest ein kleiner) und dann wurde ein Welpe daraus.

    Man kann schon gut sehen wie Hope gewachen ist, im Vergleich zu seiner Mama Jimmi. Als er zu uns kam wog er knapp 500 gr, jetzt ist er ueber 3 kg.
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    Aber auf meinen Arm passt er noch!

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    Mit 2,5 Monaten, jetzt tut er es nicht mehr! Und sein erstes Halsband hat er auch schon.

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    Und wieder ist ein Monat vorbei, aus einem Knubbel ist ein langbeiniger Hund geworden.

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    Und jetzt ein grosser Sprung, Hope mit vier Monaten, fast so gross wie Jimmi, definitiv genau so lang! Ein Welpe ist ein Junghund geworden!

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  • Hope, ein Labrador wird erwachsen! Teil 1

    Endlich komme ich mal wieder zu meinem Blog. Ja, ich lebe noch es gibt uns noch aber im umgekehrten Verhaeltnis zur Hitze entwickelt sich mein Lust zum Schreiben! Und es ist zur Zeit sehr heiss in Udaipur.

    Jetzt will und muss ich aber mal wieder einen Eintrag ueber meinen kleinen Labrador Hope schreiben. Denn Hope ist mittlerweile fast schon gross und lebt seit ein paar Tagen zusammen mit seinem Vater Robin auf unserer Farm. Er kann jetzt alles was ein Hund koennen muss (Kommandos, an der Leine gehen, alleine bleiben, aufs Haus aufpassen, Einbrecher und Kuehe vertreiben, usw.). Jetzt geniesst er sein Leben auf der Farm und die Freiheit den ganzen Tag mit Robin herumtollen zu duerfen. Robin hat ihm auch gleich gezeigt wie man sich effixient abkuehlen kann (man nimmt ein Bad im Hundebecken und scharrt anschliessend ein kleines Loch in der kuehlen Erde im Schatten wo man sich dann vorzueglich drin waeltzen kann). In so fern, mein kleiner Labrador ist gluecklich.

    23.10.2010
    Hope wird auf unserer Farm geboren.

    Eine Woche spaeter:
    Am 29.10. kommt er mit seiner Mama zu uns nach Hause. Hope wiegt knapp 500 gr und passt auf meine Hand und auf meine Kuechenwaage!
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    Hope ist jetzt 3 Wochen alt und hat die Augen schon offen (er schlaeft nach wie vor die meiste Zeit):
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    Knapp einen Monat alt und sieht eher aus wie ein kleiner Eisbaer! Daraus soll ein Labrador werden?
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    Ok, so allmaehlich kann man erahnen das er ein Hund ist! Nun wird es schwieriger ihn zu fotografieren da er sich bewegt und das ganz schoen schnell! Suess ist er immer noch!
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  • Der Sommer ist da!

    Wie jedes Jahr kam er wieder auf leisen Sohlen geschlichen. Letzte Woche hatte ich morgens noch eine Wolljacke an als ich Jai zum Bus gebracht habe, jetzt bin ich fleissig dabei Wollsachen wegzupacken, Fans abzustauben und die AC wieder klar zum Betrieb zu machen, der indische Sommer ist da, puenktlich zum Holi-Fest! Wie ueblich klagt jeder ueber die angeblich so fruehe Hitztewelle, aber nun gut, der Maerz ist schon zu mehr als die Haelfte vorbei und das heisst die Temperaturen sind voellig normal, zumindest hier in Rajasthan. Nur Holi ist dieses Jahr spaet, in so fern alles eigentlich vorhersehbar. Mich haut es nur immer um wie schnell hier in Nord-Indien das Wetter umschlaegt. Es erwischt mich jedes Jahr eiskalt oder besser gesagt gluehend heiss und fuer eine Woche bin ich dann immer ziemlich schlapp bis ich mich wieder an die sommerlichen 30+ Grad gewoehnt habe.
    Jetzt heisst es wieder frueh aufstehen, Arbeit erledigen dann Siesta bis 16 Uhr wenn man sich wieder nach draussen wagen kann. Aber morgen ist eine Ausnahme, denn morgen ist ja Holi. Also eigentlich schon heute, aber morgen ist der zweite Tag an dem sich die Leute mit Farbpulver bewerfen (Dulehri). Und da dann auch immer viel mit Wasser geplantscht wird, nun ja, da wird es morgen wohl auch mittags ertraeglich sein, in klitschnassen Klamotten.

    Ich wuensche allen Lesern ein Happy Holi! Ich melde mich morgen wieder sollte ich den Tag halbwegs ueberleben!

  • Wedding of the Year! Shaadi hai, Rajput Style

    Zur Zeit laeuft in Udaipur die Wedding of the Year, DIE Hochzeit 2011, nein sicherlich DIE Hochzeit des Jahrzehnts! Die Tochter von Shreeji, dem Nachkommen der letzten Maharanans von Udaipur, Herrscher des Palasts und eines Hotelimperiums, heiratet, endlich mit 28 Jahren, also schon fast eine alte Jungfer. 4000 Gaeste aus aller Welt und den anderen indischen Koenigshauesern Rajasthans,  fast 10 Tage Feierlichkeiten ueber ganz Udaipur verteilt, das hat Format.

    Und ich habe beschlossen, ich werde mich verweigern und nicht hingehen!

    Wie schon des oeffteren erwaehnt, ich hasse indische Hochzeiten. Sie laufen alle nach Schema F ab, man kommt hin, gibt Braut/Braeutigam einen Umschlag mit Geld, laesst sich vom Fotografen zusammen mit dem Brautpaar verewigen (die Fotos kommen dann hinterher in ein Fotoalbum der Hochzeit was zu jedem Anlass und Besuch herausgezogen und gezeigt wird), schlaegt sich den Bauch mit oeligem Essen voll, zeigt seine neuesten Klamotten und Assesoirs her und faehrt wieder heim.
    Dazwischen gibt es den neusten Klatsch und Tratsch in der Verwandtschaft, Matchmaking unter Aunties und honigtriefendes Heucheln von Sympatie fuer Menschen die man nicht ausstehen kann. Alles fein saeuberlich getrennt nach Maennlein und Weiblein, denn das Konzept der Purdah (persisch fuer Vorhang) ist noch heute tief in der Rajput-Gesellschaft verankert. Nicht mehr so sehr im taeglichen Umgang, aber doch auf Festen und zu Feierlichkeiten.

    Wenn man also eine Hochzeit gesehen hat, dann kennt man sie alle! Natuerlich variiert die Deko, das Essen und auch das Brautpaar. Aber grundsaetzlich sind die Brautleute oft austauschbar, weil alles mittlerweile so gross geworden ist, dass es von eine professionellen Marriage Planer geplant wird. Und der entscheidet was gerade in ist, welche Musik gespielt wird (aktuelle Bollywood Gassenhauer), welche Dekoration gerade en vogue ist, etc. Und Details wie Einladungskarten und Essen ist auch mittlerweile in professioneller Hand, beim Printstudio und Catering Service.

    Der Rest wird von den Familien und Kastentraditionen bestimmt. Wo ist das Platz fuer individuellen Geschmack? Hoechstens vielleicht noch die Farbe der Einladungen und der Stuhlbezuege koennen von der Braut bestimmt werden. Da diese aber meistens damit beschaeftigt ist ihre Aussteuer zusammen zu kaufen und sich im Beautiy Parlour fuer ihren zukuenftigen Ehemann schoen zu machen, entscheidet das am Ende auch eher der Brautvater oder der Wedding Planer.

    Hochzeiten sind immer die Angelegenheit der Brautfamilie. Die traditionelle Nord-Indische Hochzeit findet am Wohnort der Braut statt und wird von der Brautfamilie ausgerichtet und bezahlt. Die Familie des Braeutigams richtet nur die Teile aus die einzig und alleine den Braeutigam und seine Familie angehen, solche Dinge wie Jungesellenabend und eventuell traditionelle Zeremonien die in der Familie Tradition sind. Ausserdem vielleicht noch einen Empfang den Braut und Braeutigam nach der eigentlichen Hochzeit in seiner Heimatstadt geben (um dem Rest der Familie und Freundeskreis die nicht die Moeglichkeit hatten zur Hochzeit zu kommen, auch noch die Gelegenheit zu geben sich durchfuettern zu lassen).

    Also findet die Hochzeit der Prinzessin hier in Udaipur statt. Die Dame ist wie bereits geschrieben schon recht alt was an mehreren Dingen gelegen haben mag. Erstens werden Rajputentoechter immer gerne hoeher verheiratet als der eigene Status. Das soll ihnen die noetige Dankbarkeit und Demut gegenueber ihren Schwiegereltern geben. Umgekehrt suchen die meisten Familien fuer ihren Sohn auch lieber ein Maedchen aus einer Familie die eher einen niedrigeren Status hat als die eigene. Im umgekehrten Fall koennte die neue Schwiegertochter sonst Dinge gewohnt sein die ihr ihr Mann nicht bieten kann oder sie koennte auf ihre neue Familie herabschauen.
    Fuer eine Tochter aus einer der traditionellen Koenigsfamlien Rajasthans wird es also schwierig keinen passenden Ehemann zu finden der einerseits aus einer anderen Koenigsfamilie kommen soll die aber zumindest den gleichen Status oder sogar einen hoeheren Status hat. Rituell und traditionell geniesst Mewar den hoechten Status unter den ehemaligen Rajputen Koenigreichen. Nie haben sie sich den Moghulen untergeordnet und eine Tochter ins koenigliche Harem gegeben wie es die meisten anderen Koenigreiche in Rajasthan und anderswo taten.

    Ein anderer Grund ist wohl auch die schwache Gesundheit der Prinzessin. Ich kenne sie ja nicht, aber die hat zusammen mit meinem Goettergatten die Schule besucht. Und dann brodelt natuerlich immerzu die Geruechtekueche.

    Was mich aber wirklich an der Hochzeit langsam nervt ist, dass es eine Art Hof-Veranstaltung ist. Wenn ich mit anderen (Rajputen) Leuten ueber die bevorstehende Hochzeit spreche hoere ich immer nur, dass schon neue Kleidung in Auftrag beim Schneider gegeben wurde oder dass man sich 10 Tage frei genommen hat, schliesslich MUSS man ja puenktlich kommen...

    Shreeji haelt also Hof und die Rajputen folgen. Wie frueher und dabei ist er eigentlich nur ein Emporkoemmling....

    Indien ist ein Land in dem viel Wert auf Auesserlichkeiten gelegt wird. Was ziehe ich an, welchen Schmuck, welches Auto, etc. Rajasthan dazu ist noch stark in seinen Traditionen verhangen. Obwohl alle Titel abgeschafft wurden und die ehemaligen Herrscher seit 1947 keine politische Macht mehr haben, ist das traditionelle Sozialgefuege vor allem unter den Rajputen, der dominant Caste, der ehemals herrschenden Kaste, noch sehr stark und wichtig.

    Es wird also sicherlich keine der ueblichen austauschbaren Hochzeiten werden, da alleine die Traditionen den Ablauf sehr stark bestimmen werden. Alle der ueblichen Festilichkeiten finden statt, Mehendi, Sangeet, Banola, usw.
    Dafuer wird aber noch staerker alles in Protokol gezwaengt, Spass macht das dann auch keinen mehr.

    Immerhin, schon in der Einladung wurde darauf hingewiesen, dass Geschenke nicht notwendig sind. Das fand ich ja mal sehr positiv. Aber was will man seinem Koenig auch schenken. Die Geschmeide, Waffen und edlen Pferde sind laengst verhoekert, aber das bringt uns wieder zu einem anderen Thema...

    Udaipur dreht sich momentan um ein Brautpaar, und ich sitze zu Hause und weigere mich im Zirkus mitzumachen. Es gibt ja bereits genug andere! Nicht nur Rajputen, auch eine ganze Reihe geladener internationaler Gaeste. Wer hat nicht immer schon mal getraeumt auch einer Maharadscha-Hochzeit eingeladen zu sein?

     

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